Wird Aktionstag ein Flop?

Zum Tag der Berufe am Mittwoch beteiligen sich 67 Unternehmen aud dem Burgenlandkreis - doch es liegen gerade einmal 125 Anmeldungen vor.

 von Klaus-Dieter Kunick

Weissenfels / MZ - Der „Tag der Berufe“ am 9. März hat Tradition in Sachsen-Anhalt. Schüler können mit ihren Eltern oder Schulfreunden in Unternehmen Praxisluft schnuppern. Was sich allerdings verständlich anhört, gestaltet sich im realen Leben schwierig. Das Problem: 67 Unternehmen aus dem Burgenlandkreis beteiligen sich daran, aber das Interesse ist eher verhalten - rund 125 Anmeldungen liegen bis jetzt vor, in zwölf Firmen wird man wohl vergebens warten. Kein berauschendes Ergebnis, angesichts von rund 3 000 Schülern ab den siebten Klassen. „Wir hoffen noch auf einen Schub“, sagt Stefan Scholz, Chef der Agentur für Arbeit in Weißenfels.

Dass es nicht so gut läuft, davon kann auch die Agrargenossenschaft Langendorf-Borau-Leißling ein Lied singen: Lediglich zwei Bewerber haben sich dort am kommenden Mittwoch angekündigt. „Im vergangenen Jahr erschienen immerhin noch sechs Schüler. Zwei absolvierten anschließend ein Praktikum“, erklärt dessen Geschäftsführer Jens-Uwe Kraft. Dabei sucht das Unternehmen, in diesem Gemischtbetrieb mit Gärtnerei, Pflanzen- und Tierproduktion sind rund 20 Menschen beschäftigt, dringend Arbeitskräfte. Dieses Jahr scheiden zwei von ihnen aus, in den kommenden fünf Jahren weitere vier, fügt er hinzu. Doch der Betrieb legt nicht die Hände in den Schoß, sondern wird aktiv. Öffentlichkeitsarbeit werde betrieben und auch über den Bauernverband laufe die Werbung.


Negatives Bild der Landwirtschaft
Bleibt die Frage: Warum machen junge Leute um die Landwirtschaft einen Bogen? Der Geschäftsführer verweist auf eine mögliche Erklärung: Es sei in der Vergangenheit über Jahre hin leider ein negatives Bild aufgebaut worden. Seit geraumer Zeit sei man bereits dabei, das zu korrigieren. „Wir versuchen die Arbeitszeiten mit denen eines vernünftigen Familienlebens einigermaßen in Einklang zu bringen“, erklärt er. Aber das in der Landwirtschaft auch an den Wochenenden sowie an den Feiertagen gearbeitet werden müsse, daran führe nun einmal kein Weg vorbei. Doch dabei belässt es die Agrargenossenschaft nicht: Die hat beispielsweise mit der Grundschule Langendorf gute Erfahrungen sammeln können. So lernen die Kinder im Rahmen des Projektes „Von der Aussaat bis zur Ernte“ den Betrieb nach und nach kennen. Gut möglich, dass sich in einigen Jahren einige Mädchen und Jungen zur Landwirtschaft hingezogen fühlen. Luise Harnisch, Heidi Günther und Luise Martin aus der Klasse 3b bekunden schon heute ihr Interesse, später irgendwas mit Tieren beruflich zu machen. Katrin Kraft, Leiterin der Tierproduktion, zeigte den Mädchen neulich beim Besuch im Kuhstall alles und beantwortete Fragen. „Wir sind regelmäßig in der Agrargenossenschaft zu Gast“, sagt Erzieherin Beate Hofmann. Kurzfristig löst sich die Suche nach Auszubildenden für das Landwirtschaftsunternehmen nicht.

Wie sieht es nun in anderen Betrieben und Einrichtungen in Sachen Tag der Berufe aus? Rätselraten macht sich breit, warum sich so wenig Schüler melden. Vielleicht haben einige Berührungsängste?, mutmaßt Elke Müller, Berufsausbildungsleiterin der Sparkasse Burgenlandkreis. Oder sie glauben, dass ihre schulischen Leistungen nicht ausreichen. Das sei aber unbegründet, denn es gebe ein eigenes Testverfahren.

Zahlenmäßig etwas günstiger sieht es bei der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft (Mibrag) in Theißen aus: Neun Schüler sind angemeldet, 30 hätten kommen können. „Es gibt in der Region mittlerweile viele Veranstaltungen, wo um die Schüler geworben wird“, sagt Ausbildungsleiter Jürgen Walther. Dass sich so wenige anmelden, sei jedoch das erste Mal, ergänzt er. „Vielleicht liegt es am Zeitpunkt“, so Jürgen Luther, Leiter der Neustadtschule in Weißenfels. Schüler aus den 8. Klassen würden gerade aus dem Betriebspraktikum kommen und die aus der 7. Klasse seien in einem Einführungsprojekt gewesen, in dem es um den späteren Beruf geht. Anders könne er sich das nicht erklären. „Wir nehmen ansonsten solche Angebote sehr ernst“, fügt er hinzu.

Weitere Infos unter www.tagderberufe.de (mz)

Kuhstall
Die Resonanz auf den Tag der Berufe ist auch in der Agrargenossenschaft Langendorf gering. Möglicherweise arbeiten in einigen Jahren Schüler der Klasse 3b der Grundschule dort. Sie schauten sich im Kuhstall um und mussten sich daher nei einkleiden. Katrin Kraft erklärt ihnen einiges.
Foto: Peter Lisker

Talent testen

„Check Dein Talent!“ Unter diesem Motto der Arbeitsagenturen können Schüler der 7. und 8. Klassen einmal jährlich ihr berufliches Talent testen. Er findet zum neunten Mal statt. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen und die Arbeitsplätze zu besichtigen. Chefs, Personalberater und Ausbilder stehen in jedem beteiligten Unternehmen zur Seite, geben Tipps und beantworten Fragen.