Von wegen Winterpause

LANDWIRTSCHAFT Bauern haben auch bei Kälte jede Menge zu tun. Was in den Agrarunternehmen in Langendorf und in Hohenmölsen derzeit passiert.

VON PETRA WOZNY

HOHENMÖLSEN/MZ - Erst im Märzen die Rösslein anspannen oder den Traktor anwerfen und dafür in diesen kalten Wintertagen im gemütlichen Bauernhaus mal eher am Kamin die Zeit verbringen? Über diese Vorstellung können Ackerbauern und Tierhalter der Region nur schmunzeln.

"Es läuft ruhiger, aber es läuft", erzählt Jens-Uwe Kraft, der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Langendorf-Borau-Leißling ist. Seine 24 Mitarbeiter hätten eben nur anders zu tun. So gelte es beispielsweise den Fuhrpark der Agrargenossenschaft für das anstehende Frühjahr fit zu machen. Fünf Traktoren mit 200 bis 350 PS unter der Haube, drei betriebseigene Mähdrescher sowie unter anderem eine selbstfahrende Pflanzenschutzspritze gehören dazu und werden inspiziert. Lasse es das Wetter zu, würden die Feldränder ausgeästet. "Im Moment planen wir bereits die erste Düngergabe auf unseren Feldern, wo die Wintersaat wie Gerste und Raps drin ist. Und es wird neues Saatgut bestellt", schildert der 31-jährige Chef.

Die Agrargenossenschaft bewirtschaftet 1 450 Hektar Feld. Angebaut werden neben Weizen, Gerste, Durum, Raps auch Zuckerrüben und Mais. "Mit der letzten Ernte waren wir nicht ganz zufrieden. Während der Weizen gute Erträge brachte, fehlte es dem Raps im Sommer an Wasser", bilanziert der Landwirt. Jetzt sei der Weizen bereits aufgegangen. Die Rapspflanzen wären etwas "mickrig", sagt der Chef. Eine Schneedecke wäre nicht schlecht. "Nur Kälte ist auch wieder Mist", schätzt er ein. Angenehm warm haben es seine Tiere, die 365 Tage im Jahr zu betreuen sind, darunter 600 Jungrinder und 180 Milchkühe. Hier beginnt der Arbeitstag gegen sechs Uhr. "Den Tieren ist es egal, ob es Sommer oder Winter ist. Hier kommen nun auch meine Mitarbeiter aus dem Feldbau zum Einsatz, damit die ansonsten in den Ställen arbeitenden Kollegen mal Urlaub machen können", schildert Kraft.

Auf dem Gelände des Agrarunternehmens von Martin Beck in Keutschen herrscht in diesen frostigen Tagen rege Betriebsamkeit. "Unsere zum Teil über GPS gesteuerte Technik ist topfit", schildert Beck. Die vorherrschenden Nachtfröste würden genutzt, um die Felder zu düngen. Bereits vor Monaten seien die Bodenproben genommen worden, um den Bedarf an Dünger pro Acker und Feldfrucht optimal zu regulieren. Auch hier sind bereits Winterweizen und Winterraps im Boden. "Der Raps zeigt schon Kälteschäden. Das sehen wir schon am Braun der Blätter." Aber, so meint der 46-Jährige, er wolle nicht lamentieren, denn die Natur könne im Laufe der Monate noch einiges regulieren.

Das habe sich auch bei der Ernte im Vorjahr gezeigt. Die sei recht gut ausgefallen. Immerhin seien es rund acht Prozent mehr Erträge gewesen. Leider habe sich dies nicht finanziell ausgewirkt. "Wir haben die Auswirkungen des Russland-Embargos zu spüren bekommen und konnten unseren Weizen nur zu geringerem Preis verkaufen. So wurde aus dem eigentlichen Mehr ein Plus-Minus-Null." In etwa vier Wochen will Beck mit seinen fünf Mitarbeitern und einem Auszubildenden auf die Erdbeerfelder gehen, um zu pflanzen. Neben den Standorten Salzmünde, Teutschenthal, Werschen und am Bäumchen kommt in diesem Jahr bei Zwenkau nahe der Bäckerei Hennig ein fünftes Feld hinzu. Wieder werden vier verschiedene Sorten in den Boden gebracht, so dass die Körbe über etliche Wochen gefüllt werden können. 25 Saisonkräfte werden den Kunden zur Seite stehen.

Im vergangenen Jahr wurden auf den bislang zwölf Hektar Erdbeerfeldern insgesamt 84 000 Kilogramm der süßen Früchte geerntet. Mit dem neuen Feld hinzu sind die 100 000 Kilo pro Ernte in greifbarer Nähe.